Schenken

Schenken

Und da war noch …

... die Sache mit dem Schenken

Ein Beitrag unserer Kolumnistin C. Eißing

Geburtstag, Muttertag, Weihnachten, Ju­biläum ... 365 Tage, an denen es (auch) ums Schenken geht.
Man kann Freude schenken und Blu­men. Pralinen, Juwelen, Ak­tien­pa­ke­te.
Aber auch ... Vertrauen, Gehör und Aufmerksamkeit.

Ich schenke gern.
Geld spielt dabei keine Rolle lautet mei­ne Devise.
Aber das meine ich ganz anders, als es sich anhört.

Denn Schenken wärmt die Seele.
Nicht nur die Seele des Beschenkten. Wer nämlich beim Schenken den tie­fe­ren Sinn versteht, badet von oben bis unten in Glücksgefühlen.
Ich kenne Menschen, die als Kind keine Geschenke mochten, sich regelrecht dagegen sträubten. Wie ich erfuhr, bekamen sie meist Dinge, die sie so­wie­so gebraucht hätten, nur dass diese zu besonderen Anlässen in bun­tes Ge­schenk­papier verpackt wur­den. Warme Unterhosen, meist krat­zi­ge Roll­kra­gen­pul­lo­ver und 'sinn­vol­le' Dinge, die nicht ihnen, son­dern ihren Eltern gefielen. Dennoch wur­de erwartet so zu tun, als würden sie sich tatsächlich darüber freuen. Das war gewiss eine bittere Pflicht, und man kann ihre Ent­täu­schung heute noch spü­ren.

Gegen diesen Frust aus Kindertagen gibt es ein wundervolles Hilfsmittel:
Man wird selbst zur leidenschaftlichen Schenkerin!

Bei mir zu Hause gibt eine Kommode, in der ich all die kleinen Dinge aufbewahre, die darauf warten, Jemandem eine Freu­de zu machen. Ich mag es die Öhr­chen zu spitzen und einfach zu­zu­hö­ren, wenn jemand, der mir am Her­zen liegt, einen Wunsch äußert.
Es sind diese 'Weißt du was ich gern mal wieder hätte' -Sätze oder die 'Weißt du wo es diese Himbeerbonbons gibt, die wir als Kinder so lecker fanden'-Fragen. Oder auch die 'Weißt du was ich gerne mal wieder machen würde'-Stoßseufzer!
Ich merke mir solche Sachen und freue mich immer schon im Voraus darauf, Freude zu schenken.

Natürlich kann man auch ganz prima 'Tun' verschenken.
Wenn trotz der Not einer verletzten Hand alle Fenster blank geputzt und die Bügelberge verschwunden sind, dann ist das ein großes Geschenk.
'Lass‘ mal, Mama, ich mach das', sagte meine Tochter.
Hilfe zu schenken ist wunderbar – für beide!
Kann jeder jederzeit machen. Kostet nichts, macht nur glücklich. Wer keinen Einkauf schleppen oder Regale vom Möbelschweden bauen kann, findet ganz sicher etwas anderes.
Über diese Hilfestellung habe ich mich wie verrückt gefreut, und über die Tochter, die mir diese Freude bereitete, freue ich mich jeden Tag. Wenn wir das, was andere für uns tun nicht selbstverständlich nehmen, dann bleibt unser Herz wunderbar warm. Meine Tochter ist ein Geschenk. Mein größtes Geschenk.

Und wie steht es mit Freunden?
In der blumigen Sprache alter Texte be­freun­det man sich nicht, man schenkt (!) dem anderen seine Freundschaft. Eine Formulierung, die verstaubt klingt, aber doch so wahr ist. Echte Freund­schaft ist eines der kostbarsten Geschenke überhaupt, basiert sie doch auf Verständnis und Vertrauen.

Es muss wirklich nicht immer etwas zum Auspacken sein, Gespräche gehen auch.
So wie neulich im Supermarkt. Eine sehr alte Dame stand vor mir an der Kasse. Ich sagte irgendetwas zu ihr, und sie nahm den Faden umgehend dankbar auf. Sofort begann sie zu erzählen. Von der schlimmen Operation, die sie gehabt habe und von den Erdbeeren, die sie in ihrem Garten pflanzen würde und den Tomaten, die immer so prächtig tragen, aber eine reiche Ernte in diesem Jahr wohl zu viel wäre, jetzt wo ihr Mann gestorben sei. Es platzte nur so aus ihr heraus. Wir gingen zusammen zum Parkplatz. Ich blieb noch eine ganze Weile bei ihr an ihrem kleinen Auto stehen, hörte ihr zu und konnte sehen, wie gut ihr das Reden tat, wie dankbar sie dafür war.
Wer genau hinschaut kann sehen, wie wertvoll ein kleines Gespräch sein kann.
Denn es liegt etwas Heilsames im Schenken.

Geben füllt die Hände – Schenken füllt das Herz.

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

am 05.06.2021 wurde meine erste Kolumne mit dem Thema Vogelzählung veröffentlicht. Heute, 13 Monate und 43 Kolumnen später, geht diese Zeit zu Ende. Diese letzte Kolumne aus meiner Feder widme ich meinen wenigen, aber treuen Anhängern, von denen ich mich mit dem Thema Schenken bedanken und verabschieden möchte.

Claudia Eißing

Unsere Kolumnistin

Claudia Eißing


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